Fliegen oder Medizin – vor dieser Entscheidung stand ich nach der Schule. Mein Vater war Hausarzt. Er hat mir vom Beruf abgeraten, weil er wusste, was er kostet: viele Abende in der Praxis, wenig Zeit zu Hause. Und gleichzeitig war er so begeistert von der Medizin, dass man sich dem kaum entziehen konnte. Ich habe mich für die Medizin entschieden. Ganz losgelassen hat mich das Fliegen trotzdem nicht.
Von 2017 bis 2021 war ich bei der Lufthansa angestellt und habe Arbeits- und Flugmedizin parallel betrieben, dazu kam die Luftrettung in den Bergen. Manchmal muss man sich eben doch nicht entscheiden. Heute bin ich Facharzt für Allgemeinmedizin und für Arbeitsmedizin. Seit Frühjahr 2026 ist meine Praxis Caremed² in Bensheim an der Bergstraße, zusätzlich betreue ich mehr als 40 Unternehmen arbeitsmedizinisch.
Was die Fliegerei über Vorsorge lehrt
Aus der Flugmedizin habe ich vor allem eine Überzeugung mitgenommen: Eine Untersuchung ist nur so viel wert wie die Konsequenz, die aus ihr folgt. In der Luftfahrt ist das selbstverständlich. Berufspiloten brauchen ein Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1 nach EU-Recht. Es gilt 12 Monate, ab dem 60. Lebensjahr nur noch 6 Monate. Wer die Untersuchung nicht besteht, fliegt nicht. Das hat nichts mit Misstrauen zu tun. Es ist die logische Folge daraus, dass ein übersehener Befund in 10.000 Metern Höhe niemandem mehr auffällt.
Und am Boden?
In der Arbeitsmedizin haben wir dasselbe Werkzeug: die arbeitsmedizinische Vorsorge. Sie findet statt, der Befund wird dokumentiert – und danach passiert häufig wenig. In der Fliegerei entscheidet das Ergebnis darüber, ob jemand fliegt. Im Betrieb entscheidet es oft nur darüber, was abgeheftet wird. Ich möchte das anders machen. Bei mir ist Arbeitsmedizin ein Schwerpunkt, kein Nebenbei. Das heißt konkret: Ich führe Begehungen und Vorsorgen selbst durch, und jeder Befund führt zu einer klaren Empfehlung, für den Menschen und, wo nötig, für den Arbeitsplatz.
Was das für Sie als Patientin oder Patient bedeutet
Dieselbe Haltung gilt in der Hausarztpraxis. Ich frage bei jeder Untersuchung: Was würden wir mit dem Ergebnis anfangen? Wenn die Antwort „nichts“ lautet, lassen wir sie weg. Wenn die Antwort etwas verändert, sprechen wir darüber, was als Nächstes passiert. Manchmal sitzt mir jemand gegenüber, der seinen Schlaf auf zwei Nachkommastellen trackt und die Matratze nach Testsieger gekauft hat. Und auf die Frage nach der Arbeitszeit antwortet: Das sei gerade eine Phase. Dafür gibt es keine Lösung in einem Satz. Aber es ist der Anfang eines Gesprächs, das sich lohnt.
Ein Pilot wird alle 12 Monate daraufhin untersucht, ob er seiner Aufgabe noch gewachsen ist.
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Häufige Fragen
Was ist arbeitsmedizinische Vorsorge?
Wie oft müssen Piloten zur medizinischen Untersuchung?
Bietet Caremed² auch Tauchmedizin an?
Dr. med. Maximilian Fischer
Arzt für Allgemein- & Arbeitsmedizin


